15 June 2021
   
 
 
 
 
 
    Allah & Eva
    Ehrenmord
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   Cocon KulturvereinHintergrundinformationenPatriachale SystemeFrauenbeschneidung

Quelle: Arte

Moolaad'é - Bann der Hoffnung
Senegal, Frankreich, Burkina Faso, 2004, 119mn


Regie: Ousmane Sembene
Kamera: Dominique Gentil
Musik: Boncana Maiga
Schnitt: Abdellatif Raïss
Darsteller: Aminata Dao (Alima Bâ), Dominique T. Zeïda (Söldner), Fatoumata Coulibaly (Collé Ardo Gallo Sy), Mah Compaoré (Oberhaupt der Beschneiderinnen), Maïmouna Hélène Diarra (Hadjatou), Moussa Théophile Sowie (Ibrahima Doukouré), Salimata Traoré (Amsatou)
Autor: Ousmane Sembene
Vertreiber: Les Films Du Paradoxe
Produktion: Centre Cinematographique Marocain, Ciné-Sud Promotion, Direction de la Cinematographie Nationale
Produzent: Ousmane Sembene, Thierry Lenouvel

Senegal: Collé Ardo hat die Beschneidung ihrer eigenen Tochter verhindert. Als vier Mädchen vor diesem grausamen Ritual bei ihr Schutz suchen, gewährt sie ihnen Asyl nach einer alten Tradition und gerät damit in Konflikt mit der Dorfgemeinschaft, die auf eine andere alte Tradition besteht: die Beschneidung.

Collé Ardo lebt in einem senegalesischen Dorf. Sie ist eine von drei Frauen des Bruders des Dorfältesten. Vor sieben Jahren hat sie verhindert, dass ihre einzige Tochter Amsatou beschnitten wird. Jetzt wartet Amsatou darauf, dass ihr Bräutigam aus Frankreich nach Hause kommt und sie heiratet.

Eines Morgens laufen Collé vier Mädchen zu, die am Brunnen gehört haben, wie andere Frauen von Collés unbeschnittener Tochter sprachen. Die Mädchen, Kinder noch, suchen Schutz vor dem grausamen Zeremoniell und laufen den Beschneiderinnen davon. Collé handelt schnell: Sie zieht ein Band vor dem Hofeingang auf und besiegelt damit den Moolaadé, den Schutzanspruch der Mädchen. Fortan ist der Hof für feindlich Gesinnte tabu. Die Aktion spricht sich schnell im Dorf herum.

Der Moolaadé - so der Originaltitel des Films - ist eine mündliche Tradition mit juristischem Wert: Einmal ausgesprochen wird er von allen anerkannt. Nur die öffentliche Demütigung desjenigen, der den Moolaadé ausgesprochen hat, kann sie mildern. Und so lässt sich Collés Mann vom Dorfrat dazu bedrängen, sie öffentlich auszupeitschen.

Doch Collé hält durch und zeigt keinen Schmerz, was ihr die Solidarität der anderen Frauen im Dorf einbringt. Der Machtkampf zwischen den Gegnern und den Befürwortern der Beschneidung wird zu einem zwischen Frauen und Männern. Am Ende beschließt die Dorfgemeinschaft, dass fortan kein Mädchen mehr in diesem Dorf beschnitten werden soll.


Fatoumata Coulibaly, die Schauspielerin der widerständischen Collé, ist selbst beschnitten. Die Salindé, die Tradition der Beschneidung, ist in Mali erlaubt, im Senegal und in Burkina Faso gesetzlich verboten, wird jedoch weithin praktiziert. Auf dem Land sind 35 Prozent der Frauen beschnitten, in der Stadt 22 Prozent. Das Senegalesische Familienministerium hat 2008 einen Plan zur Bekämpfung der Beschneidung verabschiedet. Die Abschaffung der Beschneidung in Afrika und Asien ist auch eines der Hauptziele der Weltgesundheitsorganisation.Traditionell werden in Senegal auf dem Land die siebenjährigen Mädchen beschnitten; der Initiationsritus wird anschließend mit einem Festessen gefeiert. Die Vorbereitung zur Beschneidung dauert zwei Wochen und besteht vor allem darin, dass die Mütter den Mädchen einschärfen, nicht zu schreien. Die Beschneidung mit Würde zu ertragen ist oberstes Ziel und soll zeigen, dass das Mädchen später allen Schwierigkeiten des Lebens trotzen wird. Nach dieser Tradition ist nur die beschnittene Frau "rein" und heiratsfähig."Bann der Hoffnung" zeigt, dass die gelebte Realität der Frauen anders aussieht als dieses Ideal: Geschlechtsverkehr findet nur unter großen Schmerzen statt, und viele Frauen haben gesundheitliche Probleme aufgrund der Narben und Nähte, die ihnen zugefügt wurden - ein ganzes Leben lang.Ousmane Sembene wurde 1923 geboren. In den 60er Jahren studierte er mit Hilfe von André Bazin Filmregie an Moskaus berühmter Filmhochschule. "Bann der Hoffnung" wurde 2004 mit dem Preis "Un Certain Regard" in Cannes und 2005 mit dem "National Society of Film Critics Award" in den USA ausgezeichnet. Der Film ist der zweite Teil eines als Trilogie geplanten Filmzyklus über Zivilcourage. Der erste davon ist "Faat Kiné" über eine alleinerziehende Mutter. Sembene starb 2007, während der Vorbereitungen zum Film "Der Bund der Ratten" ("La Confrérie des Rats"), der die Trilogie abschließen sollte.Der Regisseur zählt zu den Filmpionieren Afrikas: Ihm liegt es mit seinen Filmen vor allem daran, "mit meinem Volk zu sprechen", deshalb organisiert er regelmäßig Kinovorstellungen in den Dörfern.Mit "Die Schwarze aus Dakar" über ein "importiertes" afrikanisches Kindermädchen in Frankreich schuf er 1966 den ersten Spielfilm Schwarzafrikas.

Copyright © 2008 Cocon-Kultur (typo3, urban nomad) Projekte |  Sponsoren   
>